Gefunden auf reflexión revuelta, die Übersetzung ist von uns.
[Miquel Amorós] Die beiden Anarchismen. Libertärer Legalismus und Illegalismus am Ende des 19. Jahrhunderts
Zwei falsche Konventionen haben die libertäre Geschichtsschreibung bis heute dominiert. Die erste betrachtet die spanische anarchistische Periode zwischen 1868 und 1910 als eine Art Vorgeschichte der CNT. Manuel Buenacasa hat sie 1927 erfunden und Juan Gómez Casas 1968 vervollständigt. Dem Klischee zufolge war das Dreigespann CNT-FAI-FIJL der Höhepunkt einer Bewegung, die sich seit Fanellis Besuch linear entwickelt hatte. Die zweite ist der angebliche einzigartige Charakter des spanischen Falls und seine besondere Genealogie, das Ergebnis der administrativen Fantasie der Familien Urales und de Santillán. Für diese Eminenzen war der iberische Anarchismus ein fast rassisches Phänomen, eher ein Kind von Pi y Margall als von Bakunin; er begann mit Anselmo Lorenzo, Farga Pellicer und Serrano Oteiza, führte über Llunas und Tárrida und endete mit Mella und den Herausgebern von „La Revista Blanca“. Sie alle waren ehemalige Republikaner und Vertreter einer legalistischen, doktrinären und liberalen Strömung, die praktisch immer in der Minderheit war und oft von den revolutionären Arbeitern abgelehnt wurde. So bleibt der Anarchismus der Aktion, der von González Morago, Salvochea und Vallina, der auf Affinitätsgruppen basierte, illegalistisch und konspirativ war, im libertären Milieu dominierte und lange Zeit Einfluss auf die Arbeiterbewegung hatte, außen vor oder fast außen vor. Über diesen wird wenig gesprochen; über den anderen, den pazifistischen und bürokratischen Anarchismus des Wettbewerbs, werden Lobeshymnen gesungen. Dieser Widerspruch lässt sich vielleicht durch fundierte historische Arbeiten auflösen, die jedem seinen Platz zuweisen, doch seine Hauptursache war nie ein Mangel an kritischer Forschung, sondern die Trägheit einer Bewegung, die nie Bilanz gezogen hat. Nur wenige Momente seiner langen Geschichte wurden mit Strenge, Leidenschaft und Objektivität beschrieben, während die meisten Studien nur akademischer Eintopf sind. Aus diesem Eintopf muss man es herausholen.
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